Jeder Akt der Güte und Großzügigkeit kommt irgendwann, irgendwie wieder zu uns zurück.

wheel, breakdown, automobile

aus „Der Grenzgänger DEZEMBER 2023 – JANUAR 2024“
Weihnachten ist die Zeit der Geschenke!
Mein Wunsch für dieses Jahr:
Lasst uns großzügig sein!
Eine alte Dame ist mitten in einer kalten Nacht mit ihrem Auto unterwegs. Doch der Wagen hat einen Platten, und sie muss stehen bleiben. Ihr Handy hat sie leider nicht dabei und wartet deshalb hilflos auf der einsamen Landstraße darauf, dass ein anderes Auto hält und ihr jemand hilft, den Reifen zu wechseln. Es vergeht mehr als eine Stunde, bis ein Auto stehen bleibt. Die alte Frau hat Angst, denn aus der Schrottkarre steigt ein ärmlicher Mann: Hoffentlich tut er mir nichts, denkt die Frau. Der Mann sieht, dass die Frau Angst hat, und spricht beruhigend auf sie ein.
„Wenn Sie mögen, setzen Sie sich gern in meinen Wagen, dort ist es wärmer, ich wechsele inzwischen den Reifen. Übrigens: Mein Name ist Bryan Anderson.“
Bryan wechselt den Reifen und macht sich dabei schmutzig auf dem dreckigen Boden. Der alten Frau, die inzwischen tatsächlich im Wagen des Fremden sitzt, ist das sehr unangenehm. Sie kurbelt das Fenster herunter und erzählt dem einsamen Helfer, wie dankbar sie für die Hilfe sei. Sie möchte ihm Geld geben für seine Hilfe, doch Bryan lehnt ab. Sie will darauf bestehen, denn sie hat sich bereits ausgemalt, was alles Schreckliches hätte passieren können, wenn er ihr nicht geholfen hätte. „Nein danke“, sagt Bryan wieder. Für mich war das keine Arbeit, ich wollte Ihnen einfach helfen. Nach diesem Grundsatz lebe ich. Wenn Sie etwas für meine Hilfe geben wollen, dann handeln Sie wie ich. Wenn jemand Ihre Hilfe braucht, handeln Sie.“ Bryan wartet noch, bis die alte Frau weggefahren ist. Die Frau hält nach einigen Kilometern an einem kleinen Restaurant. Sie muss sich aufwärmen und etwas essen. Die ganze Aufregung und auch die Angst, das war alles etwas viel für sie. Drinnen sieht alles ein bißchen heruntergekommen aus. Die Bedienung kümmert sich jedoch sehr herzlich um den späten Gast. Sie ist sehr liebenswert, obwohl sie schon den ganzen Tag gearbeitet hat.
Da sieht die alte Frau, dass die Kellnerin einen großen Babybauch vor sich herträgt. Sie ist beeindruckt, dass die Schwangere sie so aufmerksam behandelt, obwohl sie selbst einiges zu tragen hat.
Nach dem Essen bezahlt die alte Dame mit einem 100-Euro-Schein. Als die Bedienung mit dem Wechselgeld zurückkommt, ist ihr Gast bereits verschwunden.
Auf der Serviette hat die Frau allerdings eine Nachricht hinterlassen:
„Sie schulden mir nichts. Heute hat mir jemand selbstlos geholfen und ich helfe nun Ihnen. Wenn Sie mir etwas zurückgeben wollen, lassen sie die Kette der Liebe nicht abreißen.“ Unter der Serviette liegen noch weitere 400 Euro.
Mit Tränen in den Augen putzt die Kellnerin die Tische, wäscht das Geschirr ab und verabschiedet die letzten Gäste, wie an jedem Tag. Als sie spät abends nach Hause kommt, liegt ihr Mann bereits im Bett. Sie denkt an die guten Worte der Frau und das viele, viele Geld.
Woher konnte sie wissen, dass sie das Geld so dringend benötigen? Weil sie weiß, wie viele Sorgen sich ihr Mann täglich macht, legt sie sich neben ihn und flüstert: „Alles wird gut. Ich liebe dich, Bryan Anderson.“
Liebe Leserinnen, liebe Leser, diese Geschichte fand ich in einem kleinen Geschichtenbuch von Mirjam Blake-Miethe.
Und nein, sie ist nicht kitschig. Alle, die schon einmal selbstlos etwas gegeben oder geholfen haben, haben erlebt: Jeder Akt der Güte und Großzügigkeit kommt irgendwann, irgendwie wieder zu uns zurück. Darum: Lasst uns großzügig sein, Gott ist es auch, er schenkt uns das Wertvollste, was er hat: Seinen Sohn, seine Liebe!
Ich wünsche Ihnen eine frohe
Weihnachtszeit
Ihr Jürgen Heidemann